Gedanke6: (M)ein Teil und das Ganze

Aus Ökonomiologie Wiki
Version vom 3. April 2022, 20:57 Uhr von Beewilli (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Operative Ebene

Die dokumentierte, ökonomiologische Tat ist nicht der privaten Lebensführung zuzuordnen, sondern sie ist freiwilliges, ehrenamtliches, solidarisches Handeln zur Regeneration unserer Ökosysteme als messbaren Beitrag zum Gemeinwohl. Das Ehrenamt ist das höchste Amt im Staat! Es ist Kraftnahrung für die Demokratie. Je mehr Beitrag zum Gemeinwohl, desto geringer soll die Steuerlast sein.

Die Primär-Energie zur Richtungsänderung muss von unten kommen (Graswurzelansatz) und muss deutlich wahrnehmbar und zunehmend verstetigt werden, Fridays for Future war der Auftakt. Gewählte wirtschaftliche oder politische Funktionäre werden ohne belastbare Basis ihr fremdes Geld oder die geliehene Macht nicht gegen ihre Käufer bzw. Wähler richten. Es muss eine sichtbare Kooperation der Willigen und Tatkräftigen geben zur schonenderen Nutzung gemeinsamer Ressourcen.

Die Primär-Energie kann nur von mündigen Bürgern kommen, souverän und unabhängig im Denken und Handeln (lt. Surowiecki: Diversität, Unabhängigkeit, Dezentralisierung), aber in einer offenen Koalition für Verbesserungen im Interesse des eigenen Wohls und des lokalen und globalen Gemeinwohls. Daraus kann sich ein echter Wumms entwickeln.

Aus unternehmerischer Sicht ergeben sich attraktive neue Freiheitsgrade. Hier einige Beispiele: Die entzündungshemmende Wirkung von Weihrauch ist wissenschaftlich klar nachgewiesen. Da Weihrauch aber ein Naturprodukt ist, sei es für ein Pharmaunternehmen wegen fehlender patentrechtlich schützbarer Ansprüche rein ökonomisch gesehen (=old economy) unattraktiv bzw. unüblich, viel Geld in eine Medikamentenentwicklung zu investieren. Wenn nun aber das Unternehmen auf seiner ökologischen Achse weniger Schadschöpfung produziert als mit synthetischen Wirkstoffen, kann ein Medikament aus Naturprodukten ökonomiologisch gesehen unternehmerisch sehr viel attraktiver werden, da es einen signifikant höheren Deckungsbeitrag in der ökologischen Bilanz leistet. Ähnliches gilt für viele andere gesundheitlich wertvolle Naturprodukte. Vielleicht ergeben sich dadurch nachhaltige neue Wachstumschancen in der Ethnopharmakologie.

Im Geldmarkt wächst das Bedürfnis rasant, mit sog. nachhaltigen Geldanlagen ökologisch zu investieren und dabei wie gewohnt mehr Geld rauszubekommen, als man einsetzt. Kann aber z.B. ein Fonds als nachhaltig bezeichnet werden, obwohl in ihm immer noch klimaschädliche Unternehmen enthalten sind? Um das zu beurteilen, könnten die Wachstums- oder Umsatz-Vektoren aller enthaltenen Unternehmen einfach vektoriell aufaddiert werden. Heraus käme ein Bild, das auf einfache, leicht verständliche Art die Gesamtnachhaltigkeit darstellt. Diese kann sehr wohl im Vergleich mit anderen Fonds einen attraktiveren Nachhaltigkeitswinkel aufweisen, obwohl einzelne Vektoren noch nicht in die optimale Richtung zeigen. Das folgende Beispiel zeigt diese Vorgehensweise (vgl. Abb.9).

Dieses Beispiel soll einen vereinfachten landwirtschaftlichen Prozess zur Produktion von Gemüse darstellen, visualisiert durch Addition der ökonomiologischen Vektoren der Teilprozesse. In immerhin zwei Teilprozessen (=grüne Pfeilchen) ist es durch freiwillig investierte Zeit gelungen, den Nachhaltigkeitswinkel in Richtung positiv zu verändern. Dieses Schema ist prinzipiell auf jeden arbeitsteiligen Wertschöpfungsprozess (auch in der Industrie) übertragbar. Die Wirkung guter Taten in einer Prozess-/ Lieferkette (Beispiel)



Abbildung 9  Die Wirkung guter Taten in einer Prozess-/ Lieferkette (Beispiel)

Es gibt sehr viele alltäglich praktizierte Prozesse, die nur rein ökonomisch durchoptimiert wurden. Wenn es stimmt, dass z.B. Kliniken Essen für ihre Patienten täglich aus polnischen Küchen geliefert bekommen oder Wäsche zum Waschen nach Österreich fahren lassen, lässt sich das Vorgehen mit einer Prozessdarstellung gemäß der vorigen Abbildung zumindest strukturiert hinterfragen und ggf. neu bewerten.

Wenn wir diese Art des ökonomiologischen Handelns und die erweiterte Methode der Buchführung zuerst an besonders wichtigen Wertschöpfungsketten (quick wins) anwenden, können wir entlang einer Leistungs- und Lieferkette ablesen, wo sich die Zeigerstellung in einem undefinierten oder unerwünschten Zustand befindet. Alle Prozessbeteiligten sprechen die gleiche Sprache, Ländergrenzen spielen keine Rolle mehr. Die Entwicklung zum Positiven ist messbar und dadurch lenkbar.

Die Botschaft ist, jeder kann seine guten Taten entlang einer Prozess- oder Lieferkette einbringen. Das ermöglicht es, jedes konkrete Handlungsfeld als eine potenziell ‚heilbare Welt‘ zu zeigen und je mehr Prozessbeteiligte mitmachen umso besser! Das fühlt sich gut an und bietet eine motivierende Perspektive.

Gesellschaftliche Ebene

Über 2000 Jahre hat ein Großteil der menschlichen Zivilisation versucht, sich die Erde untertan zu machen. Vieles ist gelungen, aber der aktuelle Zustand ist kein Grund zum Feiern. Wir müssen raus aus einer Welt von Einäugigen (=eindimensional auf Ökonomie schauende Wesen) und andere Entwicklungsrichtungen als gleichwertig zulassen, wenn wir nicht wieder scheitern und zum großen Teil mit untergehen wollen. Die Titanic lässt grüßen. Menschenwohl über die Umwelt zu stellen, funktioniert nicht. Es gilt auch für ‚Mensch und Umwelt‘ der Grundsatz der Gleichbehandlung! Ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt bedeutet auch, dass Wertschöpfung für uns Menschen (123€) in mindestens gleichem Maß mit Wertschöpfung für die Umwelt (+123€) einhergehen soll. Der Wachstumskurs wird sich genauso stark am Gemeinwohl wie am Individualwohl orientieren müssen (hierbei ist auch ein Unternehmen oder ein Staat ein Individuum und in seinem Berichtswesen festgelegt durch seine angewandte BWL oder VWL). Nur wenn unsere Ökosysteme gesund genug bleiben oder zügig restauriert werden, dass sie jedem gesunde Luft, gesundes Wasser und gesunden Boden kostenlos bereitstellen, haben wir eine Chance auf Frieden. Das bedeutet aber auch das Gebot für jeden Einzelnen, den Kriegszustand im Umgang mit der Natur (z.B. tägliches Rasenmähen) zu verlassen und eigen-verantwortlich, solidarisch mit der Umwelt zu handeln. Agilität (Lebendigkeit) nicht Administration (Erstarrung) ist das Gebot der Stunde. Simple Regeln statt Bürokratie. Die Erde ist unser kollektiver Pflegefall geworden. Erweisen wir ihr diesen Dienst. Widmen wir ihr von unserer Zeit, von unserem Wissen und Intelligenz so viel wie möglich. Lernen wir zügig was ihr und uns wirklich nützt und erfüllt. Vielleicht ist es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Das Internet ist die größte je gebaute Maschine der Menschheit. Sie reicht in jeden Winkel der Erde und dies fast in Echtzeit. Nutzen wir sie, um uns aktiv und mit Freude zu vernetzen in einem ‚solidary network‘. Wir alle haben ein gemeinsames Ziel, für das sich jede Anstrengung lohnt. Der Rettungs-Weg kann nun schrittweise und strukturiert begangen werden. Jeder Beitrag zählt. Wir können und müssen Gemeinsames wieder entdecken. Wir sollten uns gegenseitig ermutigen und soziale Bindungskräfte wieder stärken. Machen wir eine Mitgliederbefragung! Wir können nur gewinnen. Wie heißt es in der Europahymne: „Alle Menschen werden Brüder“… und: „Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur“ (Text: Friedrich Schiller). Wenn nicht jetzt, wann dann. Nutzen wir dies als Chance.

Die Bienen, als Auserwählte unter den Bestäuberinsekten, als Sensor und Indikator für den Gesundheitszustand der Umwelt und somit auch der Menschen, zeigen uns überall auf der Welt gleichermaßen, wie gut wir vorankommen auf diesem Weg und belohnen uns dafür.