Vorbemerkungen
Vorbemerkungen
Vom nachhaltigen Wachstum
In einem eindimensionalen Weltbild ist eine Richtungsänderung per Definition nicht möglich, da es nur eine Richtung gibt.
Es ist lange bekannt, dass der weltweit praktizierte eindimensionale Maßstab für ökonomisches Wachstum im Wettbewerb von Menschen, von Unternehmen und von Staaten untereinander, alle Warnungen zu den Grenzen des Wachstums ignoriert oder nachrangig eingestuft hat. Jeder ahnt, dass Wachstum in eine andere Richtung gehen muss, soll unsere sog. Zivilisation nicht in der anthropogenen Katastrophe enden.
In einem zweidimensionalen Weltbild ist eine graduelle Richtungsänderung sehr einfach darstellbar. Man definiere Wachstum zweidimensional, bestehend aus der ökonomischen Dimension (wie bisher) und der (neuen gleichberechtigten) ökologischen Dimension. Das Ergebnis ist ein ökonomiologisches Wachstum, bestehend aus einem Betrag in Euro und einer Richtungsangabe in Grad. Das neue Wachstum ist ein Vektor und zeigt uns wie ein Kompass, ob wir auf dem richtigen Weg sind.
Das Vorgehen ist nun, dass zuerst die erforderliche Arithmetik definiert wird und danach am besten im Team (des jeweiligen Schiffes) entschieden wird, welche Nachhaltigkeitskriterien, Tätigkeiten und Daten die Richtigen sind, um die ökologischen Fortschritte zu messen. Das funktioniert auch für ein Einmannboot. Dieses Vorgehen erlaubt ein sofortiges und pragmatisches Ausprobieren bereits im Kleinen. Im Kleinen das Große sehen! Es zeigt, ob der Ansatz funktioniert, verstanden und akzeptiert wird.
Vorüberlegungen zur Arithmetik
Oft heißt es, dass etwas sehr ‚komplex‘ sei, wie z.B. den Weg zu nachhaltigem Wirtschaften zu finden. Eine assoziative Überlegung, ob denn ‚komplexe Zahlen‘ hier irgendwie weiterhelfen könnten, führte zunächst zu deren grafischen (goniometrischen) Darstellung in einem x-y-Koordinatensystem in der Form a+bi oder a+ib. Daraus entstand zunächst die Idee, den gesuchten 2-dimensionalen Ausdruck in der Form a+öb (‚ö‘ für die ökologische Achse, nach einem bekannten Werbespruch: „ohne ‚ö‘ fehlt hier was‘) zu schreiben und auch dessen Polarnotation, Betrag und Winkel, zu nutzen. Das war der Schritt raus aus der Eindimensionalität. Wichtig ist: es bleibt dennoch per Definition möglich, die Werte (a oder b), also jede Dimension, getrennt für sich zu betrachten bzw. zu sortieren und z.B. in gewohnter Weise Finanzkennzahlen und Rankings zu berechnen oder natürlich in ähnlicher Weise geeignete Kennzahlen für die ökologischen Fortschritte zu definieren. Da mathematisch der Körper der komplexen Zahlen ‚der gleiche‘ ist (isomorph) wie ein zwei-dimensionaler Vektorraum, wird im Folgenden begrifflich verständlicher eher von Vektoren gesprochen statt von Zeigern. Die Rechenregeln (Arithmetik) für Addition und Subtraktion sind in beiden Strukturen die gleichen. Mehr wird zum Ausbalancieren von Ökonomie und Ökologie nicht benötigt. Hinweis: die Schreibweise a+öb wurde noch geändert in die leichter lesbare Form a|+b (‚|‘ = senkrechter Strich), s. Gedanke3.
Damit lässt sich eine neue Dimension des Wirtschaftens einführen. Die bisherige seit 500 Jahren im Kern unveränderte Methode einer rein ökonomischen Buchführung reicht nicht mehr in einer Welt nahe ihrer Systemgrenzen. Z.B. ein Kontoeintrag mit nur einer Zahl pro Buchungsposten ist aus heutiger Sicht, mit unserer Erde am Limit, nur noch ein Sonderfall. Unsere Buchführungsmethode stammt aus einer Zeit mit ca. 0,5 Milliarden Menschen und kostenlosen Ökosystemleistungen im Überfluss. Über die Ökologie musste man seinerzeit nicht Buch führen.
Der Regelfall heute ist, dass wir zu jeder ökonomischen Entscheidung auch die verbundene ökologische Auswirkung bewerten und dokumentieren müssen. Ökologisch negative Auswirkungen dessen was wir tun, müssen in Summe dramatisch reduziert werden. Der Saldo von positiven und negativen ökologischen Auswirkungen muss gegen Null streben (Nullsummenspiel), spätestens auf der Ebene einer Volkswirtschaft. Das geht nur mittels einer systematischen und zeitnahen Erfassung aller durch Menschen bedingten Wertveränderungen (eben nicht nur von Preisänderungen) im privaten Bereich, in Unternehmen, in Staaten und jeglichen anderen Organisationsformen.
2-dimensionale Vektoren sollten genügen, um die Tür zu einer neuen, zwei-dimensionalen Beschreibung der Wertansätze in der Buchführung aufzustoßen. Im ersten Schritt sind Addition und Subtraktion nicht wirklich anspruchsvoller zu handhaben, als beim Rechnen mit Skalaren. Mehr Mathematik als Addition und Subtraktion brauchte es auch vor 500 Jahren nicht, um erfolgreich zu wirtschaften, wie die Fugger eindrücklich bewiesen haben und deren Methode von 1494 (von Luca Pacioli) bis heute im Grundsatz praktiziert wird. Es ist die Ökonomie des Mittelalters. In der vektoriellen Darstellung ist es zwar etwas mehr Schreibarbeit, aber dafür gibt es heute bessere und weit verbreitete digitale Werkzeuge, wie z.B. Tabellenkalkulation. Damit kann man gleich schon mal anfangen. Wenn das klappt, wird auch die entsprechende Buchhaltungssoftware folgen.
Der Anspruch ist also bewusst nicht, mit einer komplexen Systemtheorie unsere neue Welt modellieren zu wollen und ein neues Großes Ganzes als Voraussetzung für persönliche Verhaltensänderungen zu sehen. Darauf müssten wir vermutlich ewig warten.
Ganz im Gegenteil. Wir müssen es schaffen, die neue Welt von unten her (lokal und bottom-up) anders zu begreifen und konsequent handeln - aber ganz pragmatisch und flott, wie früher. Was an der Basis gut funktioniert, hat die Chance von allein zu wachsen und das schnell, wenn es auch persönliche Vorteile bietet.
Was bedeutet ‚gut‘ und ‚schlecht‘ in diesem Zusammenhang
Bewerten von ‚gut‘ und ‚schlecht‘ erfolgt hier nicht nach moralischer, also menschlich ethischer Sichtweise, sondern aus elementarer existenzieller Sicht der Bienen. Sie sind unser Bio-Indikator für Gesundheit in einem umfassenden Sinne als Referenz-Artengruppe. Die Bewertung geht somit von einem Standpunkt aus, der außerhalb unseres Denkens, unseres Wirtschaftssystems und unseres Weltbildes liegt.
Es bedeutet somit einen Perspektivwechsel, den Blick von außen, auf das was wir Menschen mit Mutter Erde so anstellen. Die Bienen stehen stellvertretend und im engeren Sinn für alle Bestäuberinsekten. Letztlich gilt der Ansatz aber allen Insekten, die wir mit Insektensterben subsummieren und darüber hinaus.
Die Reaktion der Bienen können wir recht gut beobachten. Dabei spielen die Honigbienen aus praktischen Gründen eine besondere Rolle. Es gibt allein in Deutschland (Stand 31.12.2021) ca. 140.000 Imker mit ca. 1.000.000 Bienenvölkern. Bei mehreren tausend Flug-Bienen pro Volk sind das einige Milliarden 'Sensoren', die von März - Oktober täglich ausfliegen und uns Rückmeldung geben über den Zustand der Pflanzenvielfalt in Art und Menge. Deren Reaktion ist neutral, unbestechlich und wahr. Diese Perspektive ist für uns Menschen von allergrößter Bedeutung:
„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr. “ Eines der mittlerweile bekanntesten Zitate Albert Einsteins.
Schlussfolgerung: Es ist alles ‚gut‘, was die Lebensräume der Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge & Co derart verbessert, dass die Insektenbestände wieder wachsen können. Alles andere ist ‚schlecht‘.